Leishmaniose - Ansteckungsgefahr in Deutschland?
Geschrieben von dogitude am 19. Juni 2009 | Abgelegt unter Krankheiten, Medizinisches, Parasiten
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Allgemein
Immer wieder flammt die Diskussion auf, ob Leishmaniose ansteckend ist oder nicht. Leider ist diese Frage nicht so einfach zu beantworten. Leishmaniose ist eine Erkrankung, die von Einzellern der Gattung Leishmania - auch Leishmanien genannt - hervorgerufen und von Sandmücken übertragen wird (siehe auch: Leishmaniose - was ist das eigentlich?).
Unterschiedliche Leishmanien-Arten sind weltweit - bis auf Australien - zu finden. Für uns in Deutschland sind die im Mittelmeerraum vorkommenden Arten relevant (meist handelt es sich um Leishmania infantum).
Übertragung
Die Erreger der Leishmaniose, die Leishmanien werden von Sandmücken übertragen. Sticht eine Sandmücke ein infiziertes Tier, nimmt sie Leishmanien auf und kann ein anderes Tier durch einem erneuten Stich infizieren. Das bedeutet, dass Leishmaniose dort ansteckend ist, wo auch Sandmücken leben. Da die von der Sandmücke aufgenommenen Leishmanien 5 Tage brauchen um sich umzuwandeln und wieder infektiös zu werden, kann man davon ausgehen, dass Leishmaniose positive Tiere die zusammen mit Leishmaniose negativen Tieren leben, selten eine Gefahr für die negativen Tiere darstellen. Die Gefahr einer Infektion mit Leishmanien von entfernt lebenden Tieren ist deutlich größer. Übrigens bleiben Tiere, die eine Leishmaniose hatten, trotz Behandlung positiv und potentiell (über Sandmücken) ansteckend. Auch kann die Krankheit immer wieder ausbrechen, wenn man die Medikamente absetzt.
Weitere Übertragungsmöglichkeiten
Bisher konnten keine Leishmanien im Speichel von infizierten Tieren festgestellt werden. Es ist davon auszugehen, dass bei einem Biss eines infizierten Tieres keine Ansteckung erfolgt. Allerdings können die Leishmanien beim Deckungsakt übertragen werden, sowie durch Wundflüssigkeit aus den Leishmaniosebedingen Hautläsionen. Ein Muttertier kann ihre Embryonen infizieren, allerdings können in einem Wurf sowohl Leishmaniose negative wie Leishmaniose positive Welpen geboren werden.
Gibt es Sandmücken in Deutschland?
Bis 1999 galt Deutschland als Sandmückenfrei. Doch in dem Jahr wurde die erste Sandmücke in Deutschland nachgewiesen. Es gibt mehrere Arten von Sandmücken. Im Mittelmeergebiet erfolgt eine Übertragung hauptsächlich durch Phlebotomus perniciosus und Phlebotomus major. Bei der in Deutschland gefundenen Art handelt es sich um Phlebotomus mascitti, bei der noch nicht erwiesen ist, ob sie in der Lage ist Leishmaniose zu übertragen.
Gibt es Ansteckungen in Deutschland?
Ja. Es gibt Fälle, bei denen nicht klar ist, wie die Leishmaniose übertragen wurde, da die Tiere nicht im Ausland waren. Zudem kann man davon ausgehen, dass auch die Sandmücken-Arten, die nachweislich Leishmaniose übertragen können, mit der Klimaerwärmung nach Deutschland einwandern werden.
Zusammenfassen kann man sagen, dass die Ansteckungsgefahr in Deutschland sicherlich noch sehr gering ist, aber möglich zu sein scheint. Mit steigender Zahl Leishmaniose positiver Hunde (z.B. aus südlichen Ländern) und dem Einwandern der Sandmücken (Klimaerwärmung) wird die Ansteckungsgefahr Gefahr in Deutschland in der Zukunft steigen.
Was ist wenn ich mit meinem Hund in südliche Länder fahre?
Es gibt Medikamente die man prophylaktisch geben kann und Mittel die die Sandmücken vom Stechen abhalten sollen. Am besten zu einem erfahrenen Tierarzt gehen und die Reiseprophylaxe und -apotheke für den Hund besprechen.
9 Kommentare »
am 2. November 2009 um 20:37 1.Doc Sarah Schons schrieb …
endlich mal jemand, der die wahrheit sagt! als immunologin und infektiologin (humanmedizin) weiß ich um diese abläufe. aber die “guten” hundehalter mit ihren leishmaniose-kranken mittelmeer-importen meinen ja immer noch, ethisch über den hunden aus hiesigen gesundheitsbewussten zuchten zu stehen…
die leishmaniose wird hier bei hunden schlimmer als die schweinegrippe bei menschen umgehen - aber es sind ja nur hunde… und leishmaniose-hund-besitzer sind schwer belehrbar… sie meinen, ein tier gerettet zu haben und haben keinen plan, wieviele andere dadurch krank werden…
am 2. November 2009 um 20:45 2.Gunilla Erdmann schrieb …
Vielen Dank für den Artikel! Als Biologin mit dem Hauptfach Zoologie, Schwerpunkt Parasitologie kann ich das Ganze nur unterschreiben. Durch die unterschiedlichen Bedingungen, die man schafft (erkrankte Hunde in Länder zu überführen - diese Wege legen die Tiere ja niemals von alleine zurück), schafft man einen Evolutionsdruck, der völlig unnötig ist. Und gefährlich. Die Ideologien a là “ich rette Tiere” auf nicht vorhandenes Fachwissen zu stützen, ist verantwortungslos. Das Gegenteil von “gut” ist häufig “gut gemeint”….
am 3. November 2009 um 11:08 3.Michael schrieb …
Sehr guter Artikel - Danke. Solange hier im Lande noch soviele Hunde in Tierheimen darben oder in Notvermittlungen sind, gibt es keinen intelligenten Grund, Tiere und erst recht potentiell infektiöse Tiere zu importieren. Als Veterinär kann ich nur bestätigen, daß die Leishmaniose-Problematik leider sehr heruntergespielt wird. Die Studien ( auch in der Humanmedizin ) belegen seit Jahren a) daß und b) warum die Leishmaniose auf dem Vormarsch ist.
am 3. November 2009 um 15:13 4.Annette schrieb …
Das ist ja alles sehr einleuchtend, hilft einem aber nicht weiter, wenn man aus einem hiesigen Tierheim einen Hund holt, der auf Leishmaniose nicht getestet ist und dann nach Monaten daran erkrankt. Was soll man dann tun ein ansonsten quicklebendiges junges Tier einschläfern lassen, um die Infektionsgefahr für alle anderen zu verringern (verhindern?). Wer bringt das übers Herz? Und wird man bei aller Vorsicht, sprich den Verzicht auf Einfuhr von Tieren aus südlichen Ländern die Infektionsgefahr gering halten können? Ich glaube im Zuge der Globalisierung wird sich die Verbreitung von Krankheiten jeglicher Art wohl kaum aufhalten lassen, und wer sagt, dass wir später irgenwann einmal dagegen besser gerüstet sind als jetzt!?
am 3. November 2009 um 16:03 5.Gunilla Erdmann schrieb …
@Annette: Um Himmels Willen! Niemand spricht hier von Einschläfern!!!
Es geht hier um Prävention und Vernunft. Darum, daß nicht aus Mitleid Tiere “importiert” werden, die aus Gegenden stammen, wo solche Parasitosen eher die Regel als die Ausnahme sind.
Und ja, es hält die Infektionsgefahr gering, wenn man Vernunft walten lässt. Für welche Zeiträume dies gilt, hängt natürlich immer davon ab, wieviele Menschen sich auch dafür einsetzen. Was hier nicht hilft, ist sich dieser Thematik auf polemische Art und Weise zu nähern.
am 3. November 2009 um 20:50 6.Annette schrieb …
@Gunilla: Das habe ich sehr wohl verstanden und meine Aussage sollte keineswegs polemisch sein! Ich wage nur zu bezweifeln, dass selbst der Einsatz von vielen Menschen nicht langfristig Erfolg verspricht, die Natur geht ihre eigenen Wege.
am 3. November 2009 um 21:00 7.Gunilla schrieb …
@Annette: eben darum sollte der Mensch auch nicht nachhelfen, bei diesen eigenen Wegen.
am 4. November 2009 um 09:00 8.Doc Sarah schrieb …
@michael und @gunilla: so seh ich das auch.
@annette:je mehr infizierte oder erkrankte tiere importiert werden, je höher das risiko.. und deswegen steh ich diesen immer mehr werdenden vermittlungs-oranisationen auch recht kritisch gegenüber. auch wenn ich keinen unserer leishmaniose positiven hundlichen freunde missen möchte..
am 7. November 2009 um 22:28 9.Dogitude schrieb …
Hallo,
ich freue mich sehr über das positive Feedback! Vielen Dank!
@Annette: Keiner redet von Einschläfern! Man kann aber z.B. eine Sandmückenprophylakse geben, als würde man in südliche Länder fahren. Dadurch gehen die Sandmücken nicht an den infizierten Hund und er wirkt nicht als Überträger.
Fakt ist: Je mehr LM positive Hunde in Deutschland sind, desto größer ist die Ansteckungsgefahr. D.h. eine Aufklärung ist wichtig, damit die Hunde nicht eingeführt werden.
Niemand möchte die Rettung von Hunden aus dem Süden denen es schlecht geht an den Pranger stellen! Es geht lediglich darum, das auch mit Verstand zu tun und nur LM negative Hunde zu holen. (Die meisten Vereine testen vor Ort.)
Fakt ist sicherlich auch, dass man die Einwanderung von Krankheiten nicht verhindern kann. Allerdings muss man sie auch nicht beschleunigen.
Früher wanderten auch neue Arten, neue Krankheiten in Gebiete ein. Das passierte meist langsam und die Natur hatte die Chance darauf zu reagieren. Der Mensch beschleunigt oft solche Prozesse und die Natur hat keine Chance sich anzupassen…
Das ist natürlich nun nur ganz grob umrissen. Aber mehr Platz ist hier auch nicht ;).
Ich wünsche Dir und vor allem dem Hund eine lang-beschwerdenfreie gemeinsame Zeit!