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Leinenaggression, was ist das und was kann man tun?

Geschrieben von dogitude am 19. Juni 2009 | Abgelegt unter Hundetraining, Problemverhalten, Verhalten

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Was ist Leinenaggression?

Wenn Hunde sich  frei laufend anderen Hunden und/oder Menschen gegenüber freundlich bzw. neutral verhalten, aber sobald sie angeleint sind aggressiv reagieren, spricht man von Leinenaggression. Für die Definition ist es unerheblich, ob die Leinenaggression gegenüber anderen Hunden, Menschen oder beiden gezeigt wird. Sollte so ein Hund allerdings auch in anderen Situationen, wenn er nicht an der Leine ist aggressives Verhalten zeigen, so spricht man nicht von Leinenaggression.

Wieso handeln manche Hunde aggressiv an der Leine?

Eines scheinen leinenaggressive Hunde gemeinsam zu haben, sie wollen nicht, dass andere Menschen und/oder Hunde sich ihnen nähern, solange sie an der Leine sind. Das aggressive Verhalten dient dazu, den anderen so etwas mitzuteilen wie: “Geh weg! Komm nicht näher!”

Wie entsteht Leinenaggression?

Es werden mehrere Möglichkeiten für die Entstehung von Leinenaggression in Betracht gezogen (möglich ist auch eine Kombination von mehreren):

1. Unsicherheit
Es gibt Anzeichen dafür, dass sich einige Hunde an der Leine wie in der Falle fühlen. Sie wissen, dass sie nicht weglaufen können. Als Ursache für diese Unsicherheit kommen verschiedene Faktoren in Frage:

  • Manche Hunde wurden nie bzw. nicht richtig mit fremden Hunden sozialisiert oder sind von Natur aus sehr scheu und haben diese Scheu trotz versuchter Sozialisation mit anderen Hunden nicht verloren.
  • Einige Hunde haben an der Leine schlechte Erfahrungen mit anderen Hunden gemacht, oder wurden sogar angegriffen und gebissen.

2. Aufregung und Frustration
Es gibt Hunde, die sich aus Freude andere Hunde zu sehen, so sehr aufregen, dass sie total aufdrehen. Diese Aufregung kann so stark werden, dass die Hunde ihre Reaktionen selber nicht mehr im Griff haben. Dazu kommt Frustration, da sie an der Leine nur langsam oder gar nicht zu dem anderen Hund hinkommen, bzw. beim nach Vorne springen von der Leine aufgehalten werden. Die starke Aufregung in Kombination mit Frustration kann ebenfalls zu Aggression führen. Die Hunde lernen, dass es jedes Mal frustrierend ist, wenn sie einem anderen Hund begegnen.

3. Assoziation mit unangenehmen Gefühlen oder Schmerzen
Hunde verknüpfen oft Dinge die fast gleichzeitig (innerhalb von ca. 0,5 bis 1,5 Sekunden) passieren. So ist es möglich, dass Hunde Angst vor startenden Motorrädern erlernen, wenn ihnen versehentlich auf die Pfote getreten wurde, während jemand ein Motorrad gestartet hat. Im Falle der Leinenaggression kann eine Verknüpfung vom unangenehmen Gefühl, das das Halsband verursacht, wenn der Hund nach vorne zieht mit dem entgegenkommenden Hund entstehen. Schlimmer noch wird es, wenn der Besitzer in so einem Fall mit Leinenruck und/oder Stachelhalsband arbeitet. Dann heißt es für den Hund: Wenn dir jemand entgegenkommt wird es nicht nur unangenehm, sondern es tut dir weh. Hunde sind nicht in der Lage diese Dinge mit ihrem Handeln in Verbindung zu bringen.

Was heißt das für den Halter?

Unabhängig von der Ursache kann man Leinenaggression mit Erziehungsmethoden wie Leinenruck,  Stachel- bzw. Sprühhalsband oder gar Elektrotakter nur verschlimmern. Selbst wenn das aggressive Verhalten eine Weile unterdrückt werden sollte, kann es jederzeit unerwartet, spontan und meist deutlich heftiger wieder zu so einem Verhalten kommen. Meist sind die Besitzer dann sehr überrascht und wundern sich, da der Hund so lange “brav” war. Leider werden diese Methoden auch von vielen Hundeschulen noch empfohlen und es kann nur geraten werden um solche Hundeschulen einen großen Bogen zu machen.

Aber was ist denn nun sinnvoll? Es gibt einige Methoden, die sehr gut bei Leinenaggression funktionieren und auch eine dauerhafte Besserung mit sich bringen. Allerdings bedeutet dies oft viel Arbeit für die Halter. Es ist in jedem Fall ratsam sich an einen guten Hundetrainer zu wenden. Erstmal selbst ein paar Dinge zu versuchen macht das Leinenproblem in den meisten Fällen schlimmer. Daher wird hier nicht näher auf die unterschiedlichen Trainingswege eingegangen. Der Hundetrainer sollte erstmal die Ursache für die Leinenaggression feststellen, bzw. ob es sich überhaupt um eine handelt und danach einen individuellen Trainingsplan erstellen. Gute Hundetrainer trainieren nicht nur auf ihrem Platz, sondern kommen zum Hund bzw. an neutrale Orten zum trainieren. Mögliche Wege wären zum Beispiel die Gefühle des Hundes zu verändern (Unsicherheiten oder Ängste abzubauen), ihm alternative Verhaltensweisen anzubieten, eventuell auch ein Training zur Erhöhung der Frustrationstoleranz. Doch der erste Schritt sollte immer eine gute Leinenführigkeit des Hundes sein. Oft ist es auch ratsam das Halsband durch ein Geschirr zu ersetzen.

Gerade in der Anfangszeit ist auch Management sehr wichtig. Das heißt, man sollte aggressives Verhalten an der Leine vermeiden, da der Hund in so gut wie allen Fällen für dieses Verhalten belohnt wird, denn der andere Hund verschwindet früher oder später. Je öfter ein Hund dieses Verhalten zeigt, desto besser lernt er es und desto schwieriger und langwieriger wird eine Gegenkonditionierung. Hundehalter die bei den ersten Anzeichen eine gute Hundeschule besuchen, können meist in wenigen Wochen das Training erfolgreich abschließen.

Siehe auch: Übertragung - Oft unbewusste Verstärkung von Fehlverhalten

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